Kaydo: Ein sicherer Ort für unsere Familienfotos
Warum ich tausende Kinderfotos am Handy hatte und trotzdem keinen Platz dafür
Auf meinem Handy sind tausende Fotos von Anna und Marie.
Die Schiffe im Hafenpark. Der Blick über Linz vom voestalpine Open Space. Unzählige Nachmittage am Spielplatz, Geburtstage, Urlaube und ganz normale Dienstage.
Eigentlich ein Schatz. In Wirklichkeit liegt er ziemlich ungeordnet in meiner Galerie.
Zwischen Screenshots, Kassenzetteln und dreißig fast gleichen Fotos vom selben Moment. Wenn ich einen bestimmten Ausflug noch einmal anschauen will, scrolle ich minutenlang. Meistens gebe ich irgendwann auf.
Und selbst wenn ich das richtige Foto finde, fehlt oft das Wichtigste: Was ist an dem Tag eigentlich passiert? Was hat Anna gesagt, dass wir alle so lachen mussten?
Ein Foto allein erzählt die Geschichte nicht. Und nach ein paar Jahren weiß ich sie selbst nicht mehr.
Teilen ist schwieriger, als es sein sollte
Das zweite Problem: Die Fotos sollen ja nicht nur bei mir liegen.
Oma und Opa wollen sehen, was ihre Enkelinnen machen. Tanten, Onkel und Paten genauso.
Die naheliegende Lösung wären Instagram oder Facebook. Dort ist alles aufs Teilen ausgelegt. Nur hat ein großer Teil unserer Familie keinen Account, und die meisten wollen auch keinen.
Bleibt die WhatsApp-Gruppe. Dort gehen Fotos zwischen Terminabsprachen und Sprachnachrichten unter, landen meist komprimiert irgendwo in der Galerie der anderen, und nach ein paar Wochen findet sie niemand mehr.
Warum Kinderfotos für mich nicht öffentlich ins Netz gehören
Ich poste keine Fotos von Anna und Marie öffentlich.
Soziale Netzwerke halte ich nicht für grundsätzlich schlecht. Man sollte aber wissen, wie sie funktionieren. Die großen Plattformen verdienen ihr Geld mit Aufmerksamkeit und Werbung. Inhalte sollen sich verbreiten, möglichst weit und möglichst lange.
Für das Urlaubsfoto eines Erwachsenen mag das in Ordnung sein. Bei Kindern sehe ich das anders, und dafür gibt es ein paar gute Gründe.
1. Öffentliche Fotos landen in KI-Trainingsdaten
Human Rights Watch hat 2024 einen winzigen Ausschnitt des Datensatzes LAION-5B untersucht, mit dem bekannte Bildgeneratoren trainiert wurden. Schon darin fanden sich rund 170 identifizierbare Fotos brasilianischer Kinder. Viele davon hatten Eltern oder Verwandte auf persönlichen Blogs und Fotoplattformen gepostet (Human Rights Watch).
In einer zweiten Analyse tauchten Fotos australischer Kinder auf, teilweise mit vollem Namen, Alter und dem Namen des Kindergartens in der Bildbeschreibung (Scripps News).
Manche dieser Fotos waren schon Jahre vor dem Datensatz online. Niemand konnte damals ahnen, wofür sie einmal verwendet werden. Und ein trainiertes KI-Modell kann das Gelernte nicht einfach wieder vergessen.
Bemerkenswert finde ich die Reaktion der Betreiber: Der wirksamste Schutz sei, private Kinderfotos gar nicht erst ins Internet zu stellen.
Auch große Plattformen nutzen öffentliche Inhalte inzwischen für ihre KI. Meta verwendet seit 27. Mai 2025 öffentliche Beiträge aus der EU zum Training, sofern man nicht widerspricht. Wie der Widerspruch funktioniert, erklärt die Verbraucherzentrale.
2. Harmlose Fotos werden missbraucht
Das ist der unangenehmste Punkt, aber er gehört dazu.
Schon 2015 berichtete die australische eSafety-Behörde, dass auf manchen einschlägigen Tauschseiten bis zur Hälfte des Materials ursprünglich aus sozialen Netzwerken und Familienblogs stammte. Ganz normale Alltagsfotos, versehen mit sexualisierenden Kommentaren (Children and Media Australia).
Mit KI hat sich das Problem verschärft. Laut Human Rights Watch reichen inzwischen wenige Fotos oder sogar ein einziges, um ein täuschend echtes KI-Abbild eines Kindes zu erzeugen. Solche Werkzeuge wurden bereits genutzt, um aus harmlosen Kinderfotos explizite Darstellungen zu machen. Die Internet Watch Foundation, die solche Inhalte aufspürt und entfernen lässt, verzeichnete 2024 rund 300 Prozent mehr KI-generierte Missbrauchsbilder als im Jahr davor (IWF).
Ich will damit keine Panik machen. Aber ich will auch nicht so tun, als gäbe es das nicht.
3. Spuren für später: Identitätsbetrug
Name, Geburtstag, Wohnort, Kindergarten: Vieles davon steckt in Posts über Kinder, oft ganz nebenbei.
Die britische Bank Barclays hat 2018 prognostiziert, dass dieses "Sharenting" bis 2030 für rund zwei Drittel des Identitätsbetrugs an jungen Menschen verantwortlich sein könnte (BBC). Das ist eine Prognose, keine Messung. Die Logik dahinter ist trotzdem nachvollziehbar: Was heute über ein Baby gepostet wird, ist in 18 Jahren immer noch da.
4. Das Bild gehört dem Kind
Auch Kinder haben ein Recht am eigenen Bild. In Österreich ist das unter anderem in § 78 des Urheberrechtsgesetzes geregelt. Die UN-Kinderrechtskonvention schützt in Artikel 16 ausdrücklich die Privatsphäre von Kindern.
Anna und Marie können heute noch nicht mitreden, welche Fotos von ihnen im Internet stehen. Später werden sie das wollen. Diese Entscheidung möchte ich ihnen nicht vorwegnehmen.
Saferinternet.at, die österreichische Informationsstelle für sichere Internetnutzung, rät Eltern deshalb, Kinderfotos nur gezielt an ausgewählte Kontakte zu schicken (meinbezirk.at).
Was ich eigentlich wollte
Eigentlich ganz einfach:
- Die schönsten Fotos sicher aufbewahren
- Gut sortiert, mit ein paar Sätzen dazu
- Die Familie soll ohne Hürden mitschauen können
- Und niemand sonst
Als Softwareentwickler habe ich mir diesen Ort schließlich selbst gebaut.
Kaydo: Unser privates Zuhause im Netz
Kaydo ist mein eigenes Projekt. Eine Art soziales Netzwerk, nur für die eigene Familie.
Jede Familie bekommt ihre eigene Adresse, zum Beispiel familienname.kaydo.app. Dort landen Fotos, Videos und Sprachnachrichten in einem gemeinsamen Feed.
Bei uns ist es so aufgesetzt:
- Tanja und ich haben Adminzugang. Wir laden hoch, schreiben dazu, was passiert ist, und entscheiden, was geteilt wird.
- Oma und Opa kommen mit dem Familienpasswort rein. Kein Account, keine App, kein Registrieren. Link öffnen, Passwort eingeben, fertig.
- Sonst sieht niemand etwas. Keine öffentlichen Profile, keine Fremden, kein Algorithmus, der Inhalte weiterverbreitet.
Technisch war mir wichtig:
- Fotos und Videos werden schon im Browser mit AES-256 verschlüsselt, bevor sie hochgeladen werden. Auf dem Server liegen nur verschlüsselte Daten.
- Keine Werbung, keine Tracker und kein KI-Training mit den Fotos.
- Alles lässt sich jederzeit als ZIP-Archiv exportieren. Die Erinnerungen gehören der Familie.
- Kaydo ist Open Source unter MIT-Lizenz. Jeder kann den Code auf GitHub prüfen oder Kaydo für die eigene Familie selbst hosten.
- Es ist kostenlos.
Fotos mit Geschichte
Der wichtigste Unterschied zur Handygalerie: Ein Moment in Kaydo ist mehr als ein Foto.
Statt dreißig fast gleicher Bilder lade ich die fünf besten hoch und schreibe zwei, drei Sätze dazu. Wo wir waren. Was passiert ist. Was Anna gesagt hat.
Genau diese Sätze machen den Unterschied, wenn man Jahre später zurückblättert.
Dazu kommen ein paar Dinge, die das Nacherleben leichter machen:
- Zeitleiste mit "An diesem Tag": Erinnerungen tauchen genau dann wieder auf, wenn sie ein Jahr alt werden.
- Highlight-Videos: Aus den eigenen Fotos entsteht ein kurzer Film, zum Beispiel "Unsere Sommer" oder ein Rückblick aufs ganze Jahr.
- Collagen und digitales Fotoalbum: Zum Gestalten, Herunterladen oder als PDF zum Ausdrucken.
- Briefe an die Zukunft: Nachrichten, die erst an einem gewählten Datum geöffnet werden können.
Wer sich das anschauen will, ohne selbst etwas anzulegen, findet eine Demo-Familie mit Beispielinhalten.
Fazit
Ich habe tausende Fotos von meinen Kindern. Lange lagen sie einfach am Handy, unsortiert und für niemanden sichtbar.
Öffentlich posten wollte ich sie nicht. Zu viel spricht dagegen, und Anna und Marie sollen später selbst entscheiden, was von ihnen im Netz steht.
Mit Kaydo haben wir jetzt einen Ort dafür. Tanja und ich kümmern uns darum, Oma und Opa schauen mit, und die Ausflüge und Urlaube lassen sich wieder nacherleben. Mit Text, mit Kontext und ohne endloses Scrollen.
Wenn du für deine Familie etwas Ähnliches suchst: Kaydo ist unter kaydo.app frei verfügbar.
Quellen
- Human Rights Watch (2024): Brazil: Children's Personal Photos Misused to Power AI Tools
- Scripps News (2024): Photos of kids posted online are being used to train AI
- Verbraucherzentrale: Meta AI bei Facebook, Instagram und WhatsApp – so widersprechen Sie
- Children and Media Australia (2015): eSafety Commissioner reports millions of social media photos found on child exploitation sharing sites
- Internet Watch Foundation (2025): AI puts real child sex victims at risk, experts say
- BBC (2018): Sharenting puts young at risk of online fraud
- meinbezirk.at: Digitale Laufbahn beginnt bereits im Kinderwagen (Saferinternet.at-Befragung und Tipps)
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