Zwei Kalender, ein Familienalltag: Warum ich myFAOS gebaut habe

- Written by: Johannes Gnadlinger · 5 min Lesezeit

Zwei Kalender, ein Familienalltag: Warum ich myFAOS gebaut habe

Wie aus einem nervigen Kalenderproblem eine kostenlose Open-Source-App für unseren ganzen Familienalltag wurde

Tanja plant mit dem iOS-Kalender, ich mit dem Google Kalender. Zwei Systeme, zwei Gewohnheiten – und ein Familienalltag, der in beiden stattfindet. Eigentlich sollte das kein Problem sein. War es aber.

Daraus ist myFAOS entstanden: eine Web-App, in der unsere Termine endlich an einem Ort zusammenlaufen. Und weil ich schon dabei war, habe ich rundherum gleich noch ein paar Dinge gebaut, die uns im Alltag wirklich helfen.


Das Problem: Abonnieren klingt besser, als es ist

Der naheliegende Weg war, den Kalender des anderen einfach zu abonnieren. Technisch funktioniert das. Praktisch hat es bei uns ganz schlecht funktioniert.

Mein Google Kalender hat Tanjas iOS-Kalender nur einmal in der Nacht abgeholt. Trägt Tanja am Vormittag einen Arzttermin ein, sehe ich ihn frühestens am nächsten Tag. Für einen Familienkalender ist das genau das falsche Verhalten.

Denn Familientermine entstehen spontan: ein Anruf von der Kinderärztin, ein Elternabend, eine Einladung zum Kindergeburtstag. Wenn einer von uns erst einen Tag später davon erfährt, sind Doppelbuchungen vorprogrammiert. Und am Ende läuft es doch wieder über WhatsApp: „Hast du gesehen, dass …?“


Die Lösung: ein Kalender, den wir beide sofort sehen

Statt zwei Kalender irgendwie miteinander zu verheiraten, gibt es in myFAOS einen gemeinsamen Familienkalender. Trägt einer von uns einen Termin ein, sieht ihn der andere sofort – nicht morgen früh, sondern im selben Moment.

Technisch läuft das über Firebase mit Echtzeit-Synchronisation. Jede Änderung landet ohne Verzögerung bei allen Familienmitgliedern. Dazu gibt es eine Wochen- und eine Monatsansicht, damit man sowohl den nächsten Tag als auch die nächsten Wochen im Blick hat.

Das war das eigentliche Ziel. Alles Weitere kam dazu, weil ich gemerkt habe, wie viele Kleinigkeiten in einer Familie gleichzeitig im Kopf herumschwirren.


Was ich rundherum gebaut habe

Jedes Modul löst genau ein Alltagsproblem. Man nutzt die, die man braucht – alle anderen stören nicht.

Aufgaben. Ein einfaches Board für Haushalt, Erledigungen und To-dos. Aufgaben lassen sich zuweisen und priorisieren. Eine Wochenansicht als Heatmap zeigt, wer gerade wie viel auf dem Tisch hat – damit nicht alles an einer Person hängen bleibt.

Kinder-Tracker. Medikamente, Vitamine oder Krankheitstage pro Kind mit einem Tipp erfassen. Die App beantwortet die Frage, die man sich sonst um drei Uhr nachts stellt: Wann war eigentlich das letzte Mal? Inklusive Abständen zwischen Dosen und Tageszielen.

Essensplan & Rezepte. Die Abendessen der Woche planen, Lieblingsrezepte speichern und festlegen, wer kocht. Damit ist „Was gibt's heute?“ beantwortet, bevor es jemand fragt. Unsere Familienrezepte haben dort einen guten Platz.

Einkaufsliste. Eine gemeinsame Liste, auf die alle schreiben können. Wer am Supermarkt vorbeikommt, nimmt mit, was draufsteht, und hakt es unterwegs ab. Nichts vergessen, keine doppelte Milch.

Dokumenten-Tresor. Befunde, Formulare für Kindergarten und Schule, wichtige Dokumente der Kinder – geordnet an einem Ort statt verteilt auf Schubladen und Mail-Postfächer.

Gesundheit & Impfungen. Die Impfhistorie und Gesundheitsmeilensteine pro Kind, damit man weiß, was erledigt ist und was als Nächstes ansteht.

Geschenkeplaner. Geschenkideen übers Jahr sammeln, für Geburtstage und Feiertage, samt Budget. Nie wieder Last-Minute-Panik und nie dasselbe Geschenk zweimal.

Modul Wofür
Kalender Alle Termine der Familie, in Echtzeit synchron
Aufgaben Erledigungen zuweisen, Auslastung fair verteilen
Kinder-Tracker Medikamente, Vitamine, Krankheit – „wann zuletzt?“
Essensplan & Rezepte Wochenplan, Lieblingsrezepte, wer kocht
Einkaufsliste Gemeinsame Liste zum Abhaken unterwegs
Dokumenten-Tresor Befunde, Formulare, Dokumente der Kinder
Gesundheit & Impfungen Impfungen und Fälligkeiten pro Kind
Geschenkeplaner Ideen für Geburtstage und Feiertage, inkl. Budget

Warum der Name?

Family + OS = myFAOS. Die ganze Familie in einem Betriebssystem. Und ja, es klingt nach „Chaos“. Genau das soll die App in Ruhe verwandeln.


Kostenlos, Open Source, ohne Tracking

Mir war von Anfang an wichtig, dass myFAOS kein Geschäftsmodell mit den Daten von Familien wird. Deshalb gilt:

  • Kostenlos: keine Premium-Stufe, kein Abo, keine Kreditkarte. Alle Funktionen für alle.
  • Open Source: Der komplette Code liegt unter MIT-Lizenz auf GitHub. Jeder kann ihn lesen, forken oder selbst betreiben.
  • Privat: keine Werbung, keine Tracker von Drittanbietern. Die Daten sehen nur die Mitglieder der eigenen Familie.

Die App verdient kein Geld mit euren Daten – weil sie überhaupt kein Geld verdient.


So startet ihr

  1. Familie anlegen: kostenlos registrieren und eine Familie erstellen. Das dauert unter einer Minute.
  2. Einladen: Die anderen bekommen einen sechsstelligen Einladungscode, geben ihn bei der Registrierung ein und landen direkt im selben Familienbereich.
  3. Loslegen: Termine, Aufgaben, Essen und Einkäufe eintragen. Alle sehen denselben aktuellen Stand.

Installieren muss man nichts. myFAOS läuft im Browser auf jedem Gerät und lässt sich als Progressive Web App auf den Home-Bildschirm legen – dann öffnet sie sich wie eine normale App.

Wer erst schauen will, kann die Live-Demo ausprobieren, ganz ohne Konto. Sie läuft mit Beispieldaten nur im eigenen Browser-Tab, nichts wird gespeichert.


Fazit

Angefangen hat alles mit einem einzigen Ärgernis: einem Kalender-Abo, das nur einmal pro Nacht aktualisiert. Herausgekommen ist ein kleines Familien-Betriebssystem, das uns die vielen Kleinigkeiten aus dem Kopf nimmt.

Ein Kalender. Zwei Eltern. Kein Warten bis zum nächsten Morgen.

Wenn ihr es ausprobieren wollt: myfaos.app. Feedback und Pull Requests sind auf GitHub jederzeit willkommen.

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